DIE GROSSE
ERZIEHUNGSLÜGE
Wie Sie in Hundeschulen zum Narren gehalten werden. |
Haben Sie es auch schon bemerkt? Es gibt immer mehr Hundeschulen in
unserem Land, denn jedermann darf heutzutage eine solche eröffnen.
Allerorts sprießen Hundeschulen wie Pilze aus dem Boden.
|
| Der
Studienschwindel |
„Ich habe diverse Seminare besucht!“ Oder gar: „Ich bin
zertifizierte(r) Therapeut(in) oder Problemhundetherapeut(in)!
Lassen Sie sich nicht von solchen Aussagen beeindrucken. Einen
anerkannten Ausbildungsberuf in diese Richtung gibt es nämlich
nicht! Tierpsychologie können Sie mittels eines Fernstudiums in der
Schweiz studieren, ohne jemals einen Hund gesehen zu haben. Solchen
selbsternannten Trainern, die aus meiner Sicht oft nichts anderes
sind als fragwürdige Über, sollten Sie ein gesundes Misstrauen
entgegenbringen.
Die Begriffe Hunde- oder Tierpsychologe, Hundeverhaltenstherapeut,
und eine Vielzahl weiterer konstruierter Begriffe, sind in
Deutschland nicht einmal anerkannt. Deshalb „studiert“ man ja so
gerne in der Schweiz. Zertifizierter Problemhundetherapeut können
auch Sie selbst in ganz kurzer Zeit werden, sogar wenn Sie über
keinerlei Hundekenntnis im Vorfeld verfügen. Haben Sie ein paar
wenige Wochenenden Zeit und genug überflüssiges Geld für diesen
Unsinn übrig? Dann dürfen auch Sie sich sehr bald mit einer solch
verheißungsvollen Berufsbezeichnung schmücken. Über das Thema
telepathische Tierkommunikation möchte ich nichts schreiben, denn
diesem Irrsinn meine Zeit zu widmen, ist mir diese zu wichtig.
Telepathische Tierkommunikation ist einfach nur Unsinn, lässt sich
aber auch gut verkaufen.
|
| Wohlklingende
Fantasiebenennungen |
Auch der Begriff BERUFSVERBAND ist in Deutschland nicht geschützt,
ein jeder darf einen Berufsverband für alles Mögliche ins Leben
rufen.
Daher verwundert es nicht, dass es in unserem Lande Berufsverbände
der Hundepsychologen, Hundeverhaltenstherapeuten, Hundeerzieher und
vieler weiterer Fantasiebegriffe gibt, die im Grunde für nicht
existente Berufe stehen. Der Wahnsinn kennt hier keine Grenze, ein
belegtes Milliardengeschäft, bei dem Sie, die Hundehalter, abgezockt
werden!
Die Leute, die dahinter stehen, benutzen gut klingende Kombinationen
nicht geschützter Begriffe, um sich wichtig zu machen, sich zu
profilieren und ahnungslose Hundebesitzer irre zu führen. Die
Aussage, dem Verband der Hundepsychologen anzugehören, gaukelt
Ahnung und hohe Kompetenz vor. So glaubt es zumindest der
hilfesuchende Hundehalter.
|
| Ein Jahrmarkt
der Eitelkeiten |
Eines vorweg: Persönlich würde ich mich schämen, einem solchen
Verband anzugehören, oder gar einen Posten innerhalb dieser
unwissenden Wichtigtuer und Blender zu bekleiden.
Was schätzen Sie, wie viele „stellvertretende Vorsitzende“ und
andere Funktionsträger es wohl in solchen Berufsverbänden gibt? Oft
sind es ebenso viele wie Mitglieder!
Bedeutet die Tatsache, dass man nach sehr kurzer Einweisung und
aufgrund anschließender Ernennung zum Funktionär innerhalb solcher
Verbände, einen Freibrief als Hundeversteher und Hundeerzieher mit
geliefert bekommt?
In Wirklichkeit sagt diese Augenwischerei faktisch rein gar nichts
aus.
Der normale, unerfahrene Hundehalter ist gleichermaßen verwirrt wie
beeindruckt von solchen Titeln, und er neigt dazu, zu vertrauen. Hat
er dann vielleicht noch im Vorfeld mit dem ersten Vorsitzenden eines
solchen Berufsverbandes persönlich telefoniert, ist er überzeugt:
Kompetenter geht es wohl nicht!
Die Wahrheit ist: Laut meiner Recherchen haben solche Verbände um
die sechzig Mitglieder. Ihr Bestreben ist es in der Hauptsache,
irgendwann als Beruf anerkannt zu werden, in dem man sich dann
profilieren und wichtigtun kann – was weniger dem Hauptdarsteller,
dem Hund, dient, sondern allein der eigenen Eitelkeit. Es ist also
äußerst trügerisch, sich als Berufsverband der Hundepsychologen
auszugeben.
Seit einigen Jahren halte ich Seminare für den weltweit größten
Hundeverein ab. Er verzeichnet über 800.000 Mitglieder. Obwohl ich
selbst nicht zu den aktiven Mitgliedern gehöre, hat man mich um
meine Dienste gebeten. Und zwar deshalb, da man auf meine Leistung
aufmerksam geworden war.
|
| Das
Marionettenprinzip |
Seit einiger Zeit setzt sich ein Trend durch. Mediengestalten und
Hundeschulen arbeiten mit Leckerchen für Artigkeit. Und werden dabei
selten in Frage gestellt. Leute, die so „erziehen“, müssen sich
nicht dafür rechtfertigen warum sie dermaßen wider die Natur, und
somit auch wider das natürliche Verständnis eines Hundes agieren.
Wenn Hundetrainer dieser Fraktion dem Hundehalter sagen würden:
„Jetzt springen Sie!“, würde der Halter treuherzig wissen wollen:
„Wie hoch denn?“ Die wenigsten aber würden fragen: „Warum?“
Verwundert das? Nein. Denn diese Trainer verkaufen sich dem
Hundehalter gegenüber als so wichtig und kompetent, dass dieser mit
der Zeit jegliche Eigenentscheidung über die Erziehung seines Hundes
verliert. Ich bezeichne diese Art der Hundeerziehung als die
subtilste Art der Vergewaltigung an der Natur, nämlich am nativen
Verständnis von Hunden. Die logische Folge: Der Hundehalter wird
zunehmend verunsichert, wie er nun dieses oder jenes Verhalten
seines Hundes zu bewerten hat, oder wie er darauf reagieren soll.
Dem Armen wird suggeriert, bei der kleinsten Abweichung, die sich im
Alltag zwischen Hund und Halter ergibt, sofort den jeweiligen
Trainer zu kontaktieren. Und nur keine eigene Entscheidung zu
treffen!
Damit möchte ich ausdrücken, dass solche Predigerseelen ungehindert
heillosen Unsinn praktizieren dürfen, ohne dass sie in Zweifel
gezogen werden. Sie machen den Halter zu Ihrer Marionette und der
spielt unbedarft und mit anfänglicher Euphorie mit.
Wenn diese Imponier-Trainer so kompetent wären, wie sie vorgeben, so
müsste der Hundebesitzer schon nach wenigen Minuten einen
Erziehungserfolg bemerken. Denn Hunde lernen sehr schnell, wenn sie
verstehen, was von ihnen an Verhalten erwartet wird.
Meine Aufgabe bei Besuchen ist es unter anderem, dem Hundehalter
diesen in das Gedächtnis gemeißelten Unfug solcher vermeintlicher
Hundeexperten wieder auszureden. Ich möchte ihm vermitteln, endlich
wieder normal sein zu dürfen. Was bedeutet, dass er wieder eigenes
Denken und Fühlen über sein Tier entwickelt und selbstständig
entscheidet. Er soll für seinen Hund berechenbar und anführend sein.
|
| Das Geheimnis
der Einfachheit |
Wenn Sie es so praktizieren, wie ich es Ihnen
vermittle und beibringe, einen Hund zu führen und zu erziehen, sind
Sie in unserer Gesellschaft bereits außergewöhnlich. Damit meine
ich, dass der Mensch nicht anerkennt, dass Hunde eine andere Sprache
sprechen und praktizieren als wir.
Leider komme ich meist erst dann zu Hundehaltern, wenn das Unglück
bereits seinen Lauf genommen hat. Es gilt dann, gemeinsam gegen
wirklich hartnäckige Unarten des Hundes angehen zu müssen, die nie
entstanden wären, hätte man den Unsinn Hundeschule erst gar nicht
begonnen.
Hundeschulen sind nicht nur wenig nutzbringend, sie sind regelrecht
kontraproduktiv, wenn Sie, liebe Leser, Ihren Hund wirklich
alltagstauglich leiten wollen.
Wen verwundert es, dass mich diese Fraktionen kritisieren und
negieren. Und mich von ganzem Herzen lieben?! Ich spreche Dinge an,
welche Sie, die Hundehalter, nicht wissen aber erfahren sollen. Und
ich entkräfte damit eine sinnlose, nicht belegbare Wissenschaft
durch Einfachheit.
|
| Was ich mit
Hunden erlebe |
Vor kurzem habe ich Leute aus Köln getroffen, die
einen sehr schönen großen Hund besitzen. Er zeigte massive
Aggressionsprobleme im Umgang mit Artgenossen.
Dieser Hund ist gerade mal sechzehn Monate alt und hat aus meiner
Sicht bereits die Erziehungshölle hinter sich. Ergebnis: Keinerlei
Erziehungserfolg. Ich wundere mich immer wieder, dass Hunde mit
solcher „Menschenerfahrung“ noch freundlich im Umgang mit diesen
sind.
|
| Erziehungsverrat
am besten Freund des Menschen |
Wenn mich Hundehalter anrufen, stelle ich einige Fragen, um mir ein
genaues Bild über Hund und Halter machen zu können. Unter anderem
möchte ich wissen, was schon alles an Erziehungsversuchen
praktiziert wurde. Hierbei lege ich großen Wert auf Ehrlichkeit und
erfuhr im aktuellen Fall folgendes:
Alles begann mit Welpen-Spielgruppe und Leckerchen.
Anschließend folgte die Hundeschule mit Leckerchen.
Ergebnis: Mäßiger Erfolg bei bindendem Gehorsam im Alltag.
Konsequenz: Andere Saiten mussten aufgezogen werden.
Therapie: Das arme Tier wurde mit einem dünnen Strick beträchtlich
gewürgt. Die Trainerin meinte, man müsse die Stimmbänder zusammen
ziehen, dann hört es schon auf zu bellen und zu knurren.
Die Halter haben dies zwar praktiziert, waren aber verunsichert und
wechselten deswegen die Hundeschule.
Neue Hundeschule, neues Glück.
Ein medienbekannter Hundetrainer wurde konsultiert.
Sein Therapievorschlag: Die Halter sollten ihren Hund an einer
Straßenlaterne anbinden. Sobald ein anderer Hund in Erscheinung
tritt, und der eigene Hund wieder anfängt zu toben, sollten sie
einfach weggehen. Dies, um dem Hund zu zeigen, man interessiere sich
nicht für sein Verhalten, somit kann dieses aggressive Verhalten
auch nicht erwünscht sein.
Erfolg der Therapie: Gleich Null.
Verwirrungsfaktor über diesen Lösungsansatz beim Halter: Hundert
Prozent.
Weiter ging es zum nächsten Trainer, Erziehungsmaßnahme mit
Leckerchen bleibt erfolglos.
Wieder tritt ein neuer Trainer auf den Plan - ein nächster Schritt
wird gewagt: Das Stachelhalsband! Es muss so eng anliegen das es
schon fast würgt. „Und dann anreißen, dass der Hund schreit!“,
meinte die Trainerin zum Hundehalter. Auch diese Therapie blieb ohne
Erfolg.
Nächste Erziehungsmaßnahme: Teletakt.
Für Leser, denen dieser Begriff nicht geläufig ist: Teletakt ist ein
Stromhalsband.
Ich kenne Fälle, bei denen der Hals des Hundes rasiert und benässt
wurde, damit sich der Strom auch schön überträgt. Weiterhin kenne
ich Fälle, bei denen zwei Teletaktgeräte zum Einsatz kamen, eines um
den Hals des Hundes gelegt, und eines um die Genitalien. Als sich
der eigentlich klare Misserfolg abzeichnete, waren diese „Trainer“
so wütend, dass sie den armen Vierbeiner in den Zwinger warfen und
mit einem Hochdruckgerät bearbeiteten.
Unglaublich und irrsinnig! Doch begonnen hat dies ALLES mit
Leckerchen für Artigkeit!
|
| Die dunkle Seite
der Macht |
Ich gehe davon aus, dass Sie, liebe Leser, nicht ansatzweise
erahnen, was hinter manchen verschlossenen Übungsplatztüren so alles
an Grausamkeiten praktiziert wird. Hier einige schockierende
Beispiele:
Ausgeschlagene Hundeaugen, natürlich unbeabsichtigt.
Eiskalte Wasserbäder für Hunde, als „Strafe“ für ausbleibenden
Erziehungserfolg.
Brandlöcher am Hals durch Teletakt, nach vergeblichem
Leckerchenversuch.
Den Hund mit dem Halsband würgen, bis seine Zunge blau wird, und er
endlich sein Maul hält.
Alles das läuft in der Erziehungswelt von Hunden ab, wird von
Trainern so formuliert, praktiziert, und angeraten. Und was das
Schlimmste ist: Nicht wenige verzweifelte Hundehalter setzen diese
Gräueltaten auch um, wenn Leckerchen nichts gebracht haben. Mit viel
Überwindung zwar, denn der Trainer hat es so angeordnet. Doch er
wird schon wissen, was hilft. Schließlich ist er ja Trainer!!!
|
| Das Desaster des
Missverstehens |
Kürzlich hatte ich den Fall einer Dobermannhündin,
die so allerhand Alltagsprobleme zeigte. Unter anderem zog sie sehr
an der Leine. Es wurde mit der Leckerchenmethode begonnen. Schade
für diese Hündin, denn sie konnte nicht verstehen, was von ihr
erwartet wurde. Deshalb zog sie unbeirrt weiter.
Als sich schließlich Hämatome an der Flanke der Hündin bildeten,
wurde ich von ihren Haltern angerufen. Die Hämatome entstanden wie
folgt: Die Hündin wurde stets an Gartenmauern oder Zäunen entlang
geführt. Fing sie an zu ziehen, rammte der zuständige Trainer sein
Knie in die Flanke des Tieres. Die Mauer wurde benötigt, damit der
„sture“ Hund nicht ausweichen konnte.
Ein weiterer Hund, welchen ich kennenlernte, musste sechs Stunden
mit dem Kopf am Boden „Strafliegen“. Dies sollte ihm suggerieren,
dass der Hundehalter der Chef sei. Hob dieser arme Hund doch den
Kopf, so wurde mit einem Tritt auf selbigen nachgeholfen. Den
gewünschten Erziehungserfolg brachte diese Vorgehensweise nicht.
Angefangen hatte alles mit Leckerchen als Belohnung für Artigkeit.
Ich könnte ein eigenes Buch über die Entgleisungen und die Militanz
der Leckerchenfraktion schreiben.
Liebe Leser - sind Sie jetzt betroffen oder sogar traurig über alle
diese Fehltritte scheinbar qualifizierter Hunde-Erzieher? Ich
verstehe Sie nur zu gut!
Oft begegne ich Hunden, sehe ihnen in die Augen und könnte weinen.
Denn ich frage mich: Was hat der Mensch diesen Tieren angetan? Und
vor allen Dingen: Mit welchem Recht?!
Ja, ich bin ein Gegner von Hundeschulen, und erst recht bin ich ein
Gegner der Erziehungsmethoden der Leckerchen-Fraktion. Denn die
daraus resultierenden Entgleisungen der imaginären Hundetrainer,
Hundetherapeuten oder Hundepsychologen, die bis hin zu Verstößen
gegen das Tierschutzgesetz entarten, werden für mich niemals in
Betracht kommen!
Doch es gibt Hoffnung. Denn es gibt etwas zwischen Leckerchen und
„Hau drauf“:
Dies ist der alltägliche Umgang mit dem genialen Wesen Hund - nach
dessen Verständnis.
Im anfangs genannten Fall brach der Hundehalter
glücklicherweise bei Teletakt ab und nahm Kontakt zu mir auf. In
knapp vier Stunden Trainingsarbeit, in denen ich diesen Hund
anfänglich selbst führte, erarbeiteten wir eine Lösung. Es gelang
mir, das bisherige Bild, das der Halter von seinem Hund hatte, von
Grund auf zu ändern. Somit änderte ich das Verhalten des Halters
gegenüber seinem Hund. Fortan folgten stressfreie Hundebegegnungen.
Ich bin gewiss kein Wunderheiler, doch kann ich dem Hundebesitzer
vermitteln und zeigen, was ein Mensch zu tun hat, um von einem Hund
verstanden zu werden.
Harald Kuttert |
|